Dankbar... Taekwondo by Zohari
Teakwondo
Allgemeines Geschichte Philosophie Wettkampf Bruchtest Sonstiges
Grundlagen zu Formen (Poomse)

Poomse sind fest geschriebene Bewegungsformen ähnlich einer Kür, in denen jeweils verschiedene Kampfsituationen gegen imaginäre Angreifer dargestellt werden. Es ist der Bereich des Taekwondo, der den künstlerischen, ästhetischen Teil dieser Kampfkunst besonders repräsentiert.
Eben nicht nur das sture Ablaufen aneinandergereihter Techniken oder nur der realitätsnahe Kampf gegen imaginäre Gegner, sondern eine Komposition aus Verteidigungs- und Angriffstechniken, Darstellung eines Kampfes gegen mehrere imaginäre Gegner, Ki-Energie und der eigenen Persönlichkeit.

Mit „Taeguk“ wurden die Poomse bezeichnet, um ihre Bedeutung zu unterstreichen. Basierend auf der chinesischen Schrift steht „Tae“ für Größe und „Guk“ für Ewigkeit.
Mit der Zusammensetzung dieser Begriffe wollte man den philosophischen Grundgedanken für die Formen betonen.„Taeguk“ ist formlos, ohne Anfang und Ende und steht für den Ursprung allen seins.
Die acht Symbole aus dem „I-Ging“ , dem chinesischen Orakel und Buch der Weissagungen, sind gleichzeitig Symbole und Bewegungsdiagramme der acht Schüler-Poomse, die weltweit einheitlich gelaufen werden. Vier von ihnen finden sich auch auf der koreanischen Nationalflagge „Tae Guk Gi“.

Im Training haben Poomse im übrigen den positiven Nebeneffekt, dass man lernt Abwehr- und Angriffstechniken sinnvoll miteinander zu verbinden und dabei gleichzeitig die Bewegungen mit der richtigen Atmung in Einklang zu bringen.

Poomse - Bezeichnung und Erläuterung

Schülerformen

1. Poomse = Taeguk il Chang – Himmel und Licht
Die Grundlagen unseres Lebens kommen vom Himmel: Licht und Wasser (Regen). Mit dem Himmel wird auch die Schöpfung symbolisiert, aller Anfang, ebenso wie diese Form die erste ist.

2. Poomse = Taeguk i Chang – Frohsinn und Fröhlichkeit
In diesem Zustand verfügt der Mensch über eine gefestigte innere Kraft, ist ausgeglichen und ruhig. Demgemäß soll diese Form ruhig, aber dennoch kraftvoll ausgeführt werden.

3. Poomse = Taeguk sam Chang – Feuer
Mit Feuer ist Energie, Wärme, Licht, Hoffnung und Zuversicht verbunden. Die Bewegungen in der Form sollen dynamisch und leidenschaftlich ausgeführt werden.

4. Poomse = Taeguk sa Chang – Donner und Blitz
Trotz Gefahr und Furcht sollte man versuchen, ruhig und besonnen zu handeln. Die Bewegungen in der Poomse sollten kraftvoll und zielstrebig sein.

5. Poomse = Taeguk oh Chang – Wind
Der Sturm ist kraftvoll und zerstört; der Wind ist aber auch sanft, verteilt den Samen der Saat und zerstreut die Wolken. Die Bewegungen verlaufen ruhig und gleichmäßig, aber auch kraftvoll und stürmisch.

6. Poomse = Taeguk yuk Chang – Wasser
Wie das Wasser, das immer bergab fließt, fließen die Bewegungen dieser Poomse ineinander über, durch Fußtritte unterbrochen.

7. Poomse = Taeguk sil Chang – Berg
Ein Berg steht unverrückbar fest. Der Mensch muss die Standfestigkeit eines Berges besitzen und sollte nicht überhastet handeln. Obwohl schnelle Aktionen im Taekwondo schön aussehen, sollte man auch wissen, wann und wo ein Halt geboten ist.

8. Poomse = Taeguk pal Chang – Erde
Die Erde ist die Mutter des Lebens. Sie bringt nicht nur Leben hervor, sondern sie sorgt auch dafür, dass es erhalten und entwickelt wird. Diese Poomse ist die letzte des Schülers, eine letzte Hürde auf dem Weg zum Meistergrad. Hier werden die grundlegenden Bewegungsformen aufgefrischt und nochmals überprüft.


Meisterformen

Im Gegensatz zu den Poomse für die Kup-Grade, die den Naturelementen gewidmet sind, weisen die Poomse für die Dan-Grade auf konkrete Dinge und Ereignisse hin.

1. Meisterform = Koryo – Korea
Koryo ist der Name einer alten Dynastie (918 bis 1392 n.Chr.) nach der das heutige Korea benannt ist. Das kulturelle Erbe aus dieser Zeit ist sehr bedeutend. Deshalb entspricht das Diagramm, auf dessen Linien die Bewegungen ablaufen, dem Schriftzeichen für „der Gelehrte”.

2. Meisterform = Kumgang – Diamant
Das Wort selbst bedeutet: zu fest, um zerbrochen zu werden. Für buddhistische Mönche ist es aber auch die Bezeichnung für die Überwindung seelischer Schmerzen durch Weisheit und Tugend. Auch der schönste Berg Koreas wird Kumgang-San genannt. Die Bewegungsrichtungen folgen daher dem Schriftzeichen für "der Berg". Entsprechend den Bedeutungen von Kumgang sollen die Bewegungen geistige Kraft und die Härte eines Diamanten ausdrücken.

3. Meisterform = Taebaek – Heiliger Berg
Korea wurde der Sage nach vor 4100 Jahren auf dem Berg Baeku gegründet. Dieser Berg trug früher den Namen Taebaek; er ist der größte und erhabenste Berg Koreas. Diese Poomse demonstriert nicht nur Schnelligkeit und Genauigkeit, sondern auch Strenge und Entschlossenheit.

4. Meisterform = Pyongwon – Ebene
Eine große und offene Ebene erstreckt sich endlos und gibt dem Betrachter das Gefühl majestätischer Freiheit und grenzenloser Weite. Das Diagramm verläuft dementsprechend auf einer Linie.

5. Meisterform = Sipjin – Zehn (Dezimalsystem)
Das Zehnersystem ist eine ständige numerische Wiederholung des Wertes zehn, einhundert, eintausend, eine Million, eine Billion.... Damit ist die Zahl 10 Symbol für grenzenloses Wachstum. Das Wachstum ist aber nur bei einer systematischen und geregelten Ordnung wirkungsvoll. Das Diagramm dieser Poomse ist das Schriftzeichen für "10". Die Bewegungen sind abwechslungsreich, aber geordnet und diszipliniert.

6. Meisterform = Jitae – Erde
Gemäß dem fernöstlichen Glauben kommt alles Leben aus der Erde hervor und kehrt in sie zurück. Lebewesen und Naturphänomene ändern und formen sie fortlaufend. Poomse Jitae vereint diese Eigenschaften der Erde in ihren Bewegungen.

7. Meisterform = Chonkwon – Himmel
In alter Zeit wurde der Himmel als Herrscher über das Universum verehrt. Poomse Chonkwon ist durchdrungen von Bewegungen, die voll Erhabenheit und Vitalität sind, wie ein in den Himmel aufsteigender Adler.

8. Meisterform = Hansu – Wasser
Wasser wird als der Ursprung des Lebens angesehen. Die Eigenschaften des Wassers – ruhig, wild, flüssig, anpassungsfähig - sind auch typisch für die Bewegungen bei dieser Poomse.

9. Meisterform = Ilyo – Geist und Einheit
Im Buddhismus bezeichnet man den Zustand der geistigen Ausbildung, in dem Geist und Körper zu einer Einheit verschmelzen, Ilyo. Die höchste Aufgabe des Taekwondoin ist es, diesen Zustand Ilyo zu suchen. Das Ziel ist eine Disziplin, bei der man mit konzentrierter Aufmerksamkeit bei jeder Bewegung alle weltlichen Gedanken und Dinge abschüttelt.

Anfangsstellung – Beginn der Poomse

  • Konzentration ist von Anfang an das wichtigste. Deshalb sollte die Konzentrationsstellung Gibon-junbi auf das Kommando „Junbi“ nicht zu hektisch eingenommen werden; gerade diese konzentrierte und langsame Bewegung in die Junbi-Stellung gibt einem Zeit, alles außenstehende abzuschalten und sich 100%-ig zu konzentrieren
  • die Haltung ist gerade, nahezu ritterlich, und nicht (wie so oft der Fall) mit krummen Rücken nach vorn gebeugt
  • bevor mit der Form begonnen wird, sollten alle störenden Gedanken an Zuschauer, Prüfer, Punktrichter, etc abgelegt werden, sie führen nur zu Fehlern oder sogar zum Abbruch der Form, was bei einer Prüfung zum Nichtbestehen führen kann
  • der Start der ersten Techniken ist dann explosiv und überraschend, wie ein Angriff imaginärer Gegner überraschend sein kann

Grundtechniken:
  • in allen Poomse kommen entgegen der Annahme einiger kampfbegeisterter Taekwondoin ausschließlich Grundtechniken vor
  • die Grundtechniken werden in voller Länge ausgeholt (Beispiel Fauststoß von der Hüfte aus und nicht schon halb ausgestreckt) und kraftvoll eingerastet
  • vor allen Dingen bei Kombinationen von Techniken muß trotzdem jede für sich vollständig und richtig ausgeführt werden
  • saubere Stellungen und korrekte Stellungswechsel werden im „Eifer des Gefechts“ leider oft vernachlässigt, sind aber ebenso elementar, wie die korrekte Ausführung der Hand- und Fußtechniken

Darstellung:

  • die Form muss beim Betrachter den Eindruck erwecken, der Taekwondoin kämpfe gegen unsichtbare Gegner (die zwar in der Mehrzahl sind, aber einezln nacheinander angreifen)
  • eine kurze Pause zwischen den einzelnen Sequenzen bringt die nötige Würze und läßt die Form realitätsnäher wirken (wichtig hier: kurz vor dem Sequenzwechsel erst in die Richtung schauen, wo der nächste imaginäre Angriff herkommt!)
  • “Ein guter Formenläufer präsentiert die Stärke eines Löwes und die Ausstrahlung eines Samurais“. (Kwon)
    Wer schon zu Beginn der Form dasteht wie„ein Schluck Wasser in der Kurve“, verspricht für das folgende nicht viel mehr. Die verinnerlichte Vorstellung, die angreifenden Gegner mit niederschmetternden und gleichzeitig ästhetischen Techniken abzuwehren und kampfunfähig zu machen, „lässt die Luftfeuchtigkeit im Raum gefrieren und den Zuschauer mit offenem Mund staunen“ (Kwon).
    Bei verschiedenen Formenlehrgängen und im Training allgemein hat der Autor festgestellt, dass genau diese Einbildungs-/Vorstellungskraft meistens fehlt (in der Kindheit liegengelassen?), und deshalb auch kein Funke auf den Betrachter übergeht

Atmung:

  • die Atmung beim Poomse-Laufen sollte zwar hörbar aber nicht betont laut, und vor allen Dingen keine Pressatmung sein! Allein für ständige Pressatmung gibt es bei Poomse-Meisterschaften schon Punktabzüge von 0,1-0,2 Punkten
  • Beim Synchronlaufen wird immer wieder gern durch laute Atmung der Takt vorgegeben. Das macht die ganze Sache eigentlich witzlos und bringt auch nichts weiter als Punktabzüge.
  • Weitere Informationen zur Atmung allgemein gibt es hier!
Copyright © by Worna Zohari 1998-2005