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Zum Thema Gewalt:
Die zunehmende Gewalt bei Kindern und
Jugendlichen zwingt die Gesellschaft dazu, Lösungen auf
allen greifbaren Ebenen zu finden, vom Kindergarten, über
die Schule bis hin zur Jugendstrafanstalt.
In der JVA soll die Resozialisierung bereits gewalttätig
gewordener vorbereitet werden, wo statistisch gesehen im Grunde
genommen schon viel verloren ist.
Die Frage, ob Kampfkunst,
in welcher Form auch immer, eine Lösungsmöglichkeit
bietet, wird grundsätzlich von einer breiten Front in
der Gesellschaft abgelehnt. Abgelehnt aus der Unwissenheit
heraus, in der Kampfkunst sei, wie im Namen auch enthalten,
die kämpferische Aktion im Mittelpunkt des Lernens/Handelns,
und diese gehe schließlich einher mit körperlicher Gewalt.
Um zu beurteilen, ob Kampfkunst
als Prävention und sogar Therapie ein geeignetes
Mittel ist, wird hier am Beispiel Taekwondo
erläutert, der koreanischen, waffenlosen Selbstverteidigungskunst.
Taekwondo ist eine traditionelle
Kampfkunst ähnlich dem japanischen Karate, deren historischen
Ursprünge in ca. 2000 Jahre alten Zeichnungen und Skulpturen
gefunden wurden. In der Grundschule werden verschiedene Hand-
und Fußtechniken erlernt, später folgen Poomse, der Kampf
gegen imaginäre Gegner in einem festgelegten Schema,
Ilbo-Taeryon, der abgesprochene Kampf mit dem Partner, Selbstverteidigungstechniken
und der freie Kampf. Vor allen Dingen durch die dynamischen
Tritte und Sprünge unterscheidet sie sich von den anderen
Kampfkünsten.
Einen wesentlichen Anteil am
Training hat aber die Vermittlung der grundlegenden Philosophie
des Taekwondo. Das Do steht wie in den meisten
traditionellen Kampfkünsten, für den Weg der geistigen
und körperlichen Entwicklung, den der Taekwondoin, ob
Schüler oder Meister, beschreitet. Das Do
ist ein Weg, dessen Ziel nicht das Erlernen einer Fertigkeit,
sondern das Erweitern des im Menschen liegenden Potentials
ist, durch das er zu seiner Sinnbestimmung wachsen und sein
Leben mit Bewußtsein und Erkenntnis füllen kann. Friedvoll,
im Einklang mit sich selbst und anderen leben und eine Harmonie
von Körper und Geist erreichen.
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Um gewaltfrei zu handeln
und gewaltfrei zu leben, muss man sich zunächst mit der
Gewalt auseinander setzen, um sie zu verstehen. Die Art und
Weise, wie Gewalt in der Kampfkunst gezeigt und erläutert
wird ist das, was diese so interessant macht.
Im Taekwondo können Kinder
und Jugendliche lernen, mit eigenen und fremden Aggressionen
verantwortungsvoll umzugehen, durch Partnerübungen lernen
sie Fairness und Selbstbeherrschung. Das Selbstbewußtsein
wird in kleinen Schritten gestärkt und tief sitzende
Ängste, oft auch ein Motor der Gewalt (zum Beispiel beim
Gruppendruck die Angst, als Mimose und Außenseiter
abgestempelt zu werden, wenn man nicht mitmacht)
reduzieren sich.
Durch die Vermittlung konfuzianistischer
Tugenden, wie Selbstdisziplin, Geduld, Höflichkeit, Ausdauer,
Fairness, etc. erreicht man mit Taekwondo eine Charakterstärke,
die der Gewalttätigkeit und -bereitschaft den Nährboden
entzieht.
Es gibt im Training keine Gegner, sondern nur Partner. Durch
das abwechselnde Üben von Angriffs- und Verteidigungstechniken
zum Beispiel ist man gezwungen, den Partner zu respektieren,
damit man ihm, wenn er die Angreiferrolle übernimmt vertrauen
kann.
In der Schweiz gibt es bereits seit Jahren
erfolgreiche Versuche, Kampfkunst als Therapie für straffällig
gewordene Jugendliche einzusetzen. In der therapeutischen
Wohngemeinschaft Chratten und der offenen Jugendstrafanstalt
Arxhof im Kanton Basel-Landschaft existiert die Arbeitsgemeinschaft
Budo-Pädagogik- Therapie , die mit erfolgreichen
Statistiken über geringe Rückfallquoten versucht,
Kampfkunst landesweit entsprechend zu etablieren.
Auch bei uns in Deutschland
sind bereits Versuche in Jugendstrafanstalten unternommen
worden, mit Training der Kampfkunst, das Zusammenleben in
der Anstalt und die spätere Resozialisierung zu unterstützen.
Als Beispiel diene hier das von der Bayrischen Sportjugend
1994 ins Leben gerufene Projekt Kampfkunst im Strafvollzug
unter der Leitung des Taekwondo-Trainers Reiner Hofer. Im
April 1999 gab es eine Neuauflage des Projekts unterProjekt
99, das vom Bayrischen Justizministerium finanziert
wird. Aufgrund der durchschlagenden Erfolge ist mittlerweile
eine effektive Kooperation zwischen der Justizvollzugsanstalt
Aichbach, des Bayrischen Justizministeriums und der
Bayrischen Sportjugend entstanden.
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Im Ruhrgebiet praktiziert die „Bochumer Selbstbehauptung“
seit 1995 in Zusammenarbeit mit dem Verein „Ilyodo Bochum“
ein Selbstbehauptungstraining auf der Grundlage des Taekwondo.
Trainiert werden nicht nur klassische Selbstverteidigungstechniken,
sondern auch psychologische Strategien zur Bewältigung und
Vermeidung von Angriffen.
Angeboten werden diese Kurse an 8. Bochumer Schulen an 2 Tagen
in der Woche, in Form von außerschulischen Arbeitsgemeinschaften
nach dem Schulunterricht. Aufgenommen werden Schülerinnen ab dem
14. Lebensjahr. Weitere Infos unter www.
bochumer-selbstbehauptung.de
und www.ilyodo.de.
Die Erfahrung der vergangenen
Jahre zeigt, dass gerade Kampfkunst sehr wohl ein wirksames
Mittel zur Bekämpfung der Gewalt bei Kindern und Jugendlichen
sein kann.
Sie ist für Gewaltprävention
und -Therapie sicher kein Allheilmittel oder die Patentlösung,
aber durchaus eine Möglichkeit, die in Kombination mit
anderen Methoden eingesetzt werden kann. Voraussetzung ist
natürlich immer, sie wird von erfahrenen und verantwortungsbewussten
Trainern unterrichtet, die zumindest den Großteil der Philosophie
selbst verinnerlicht haben und als Vorbild funktionieren.
Ein Zen-Spruch lautet: Mazu
shiko washire, shikoshite tao washire. Erkenne erst
dich selbst, dann den anderen. Und genau an diesem Punkt setzen
Kampfkünste an.
Siehe auch Informationen zur
Notwehr.
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